Im Gespräch mit Janosch Kreis –„Man lernt, den Boden wirklich zu sehen“
Als Janosch Kreis vor zehn Jahren mit einem Hektar Land und zehn Schafen begann, war es ein kleines Experiment. Heute ist daraus ein vielfältiger Betrieb bei Salem gewachsen: Rund 40 Hektar Grünland, Streuobstwiesen mit tausend Hochstammbäumen, Landschaftspflegeprojekte mit Schafen und Ziegen, ein Hühnermobil. Seit zwei Jahren gehört auch Ackerbau zum Betrieb: sechs bis sieben Hektar Kleegras, Hafer und Weizen, um den eigenen Futterkreislauf zu schließen.
Des Weiteren steckt ein sozialer Auftrag hinter dem Hofprojekt “Schwarzes Schaf”: Jugendlichen aus der Jugendhilfe wird ermöglicht, ein sicheres Zuhause auf dem Hof zu haben und durch das gemeinsame Wohnen sowie Arbeiten wird Landwirtschaft ein Erfahrungsraum.
Im Gespräch erzählt Janosch, warum er als Quereinsteiger am Bodenpraktiker teilnahm, weshalb ihm der Kurs neue Sicherheit gab und wie er heute seinen Boden mit völlig neuen Augen betrachtet.
„Ich hatte anfangs Sorge, als Quereinsteiger nicht in den Kurs zu passen. Aber schon am ersten Tag wurde klar: Der Boden verbindet alle – vom kleinen Garten bis zum 700-Hektar-Betrieb. Diese Vielfalt und Offenheit haben mir enormen Mut gemacht und mich wirklich abgeholt.“
Ein Betrieb zwischen Landwirtschaft und Sozialprojekt
„Wir haben vor zehn Jahren mit knapp einem Hektar und zehn Schafen angefangen. Inzwischen bewirtschaften wir rund 40 Hektar – überwiegend Grünland, dazu Streuobstwiesen und viele Landschaftspflegeflächen mit Schafen und Ziegen. Ein Hühnermobil gehört auch dazu, also ein recht vielfältiger Betrieb.“
Seit zwei Jahren bewirtschaftet er zusätzlich sechs bis sieben Hektar Acker: „Der Acker ist gerade in der Umstellung – Kleegras, Hafer und Weizen. Uns war wichtig, die Kreisläufe zu schließen und Futter für unsere Tiere selbst zu erzeugen.“
Ein Meilenstein war der Übergang vom Pachtbetrieb zum eigenen Aussiedlerhof: „Damit konnten wir das Projekt auf stabilere Beine stellen.
Neben der landwirtschaftlichen Arbeit spielt die Jugendhilfe eine zentrale Rolle:
Wir haben immer wieder junge Menschen auf dem Hof, d e in die Landwirtschaft eingebunden sind und Teil des Alltags werden. Die Verbindung von Landwirtschaft und sozialer Arbeit ist eine echte Chance.
Warum der Bodenpraktiker?
Vom Bodenpraktiker hörte Janosch immer wieder, sowie vom Regenerate Forum.
„Ich dachte zuerst, vielleicht passe ich als Quereinsteiger nicht gut rein. Mir fehlte die Erfahrung eines klassischen Landwirts.“
Doch schon beim ersten Kurstag war klar:
„Die Gruppe ist bunt gemischt – Menschen mit 1000 Quadratmetern Garten bis zu großen Betrieben mit 700 Hektar. Und niemand bewertet den anderen. Alle haben das gleiche Ziel: den Boden zu verbessern.“
Auch für sein Grünland habe der Kurs wertvolle Impulse gegeben:
„Es ist spannend zu verstehen, was da im Boden passiert und wie man sich dem Thema auf unterschiedliche Weise nähern kann.“
Warum Weiterbildung zum Boden so wichtig ist
Der Boden ist die Grundlage der Landwirtschaft – eigentlich die Grundlage unseres Lebens. Und ich glaube, dass man da viele Jahre nicht so genau hingeschaut hat. Es ging oft um Erträge: Was kann man rausziehen? Aber wenn man immer nur nimmt, funktioniert das auf Dauer nicht.
Aus seiner Arbeit im sozialen Bereich weiß er, wie wichtig ein glaubwürdiges eigenes Tun ist: „Ich kann junge Menschen nur mitnehmen, wenn ich selbst etwas mache, wovon ich überzeugt bin. Für uns liegt der Wert des landwirtschaftlichen Settings nicht nur in seinem positiven Einfluss auf die Entwicklung junger Menschen; es bietet gleichzeitig die Chance, Einkommen auf neue Weise zu sichern und einen bewussteren Umgang mit Natur sowie alternative Formen des Wirtschaftens zu ermöglichen.
Immer wieder bemerkt er, wie er Wissensinhalte aus dem Kurs direkt auf dem Hof weitergibt:
„Und ich merke eine totale Offenheit bei den jungen Menschen. Das Verständnis ist sofort da. Letztlich braucht auch die Soziale Arbeit – im übertragenen Sinn – einen beständigen Humusaufbau, damit nachhaltige Entwicklung überhaupt gelingen kann.”
Aha-Momente im Kurs
„Im betrieblichen Alltag ist es herausfordernd, sich Zeit freizuschaufeln. Aber ich komme jedes Mal erfüllt zurück.“
Fast jeder Kurstag brachte für ihn einen neuen Erkenntnismoment:
„Gleich am Anfang haben wir uns angesehen, was im Boden lebt – kleinste Organismen, die mir in dieser Vielfalt gar nicht bewusst waren. Und wie stark ihre Existenz davon abhängt, wie wir wirtschaften.“
Besonders beeindruckt hat ihn der Input von Dr. Nikola Patzel:
„Das hat mir eine neue Perspektive auf Gleichgewichte im Boden eröffnet: Wie schnell man sie stören kann – und wie man sie stärkt.“
Die Qualität der Referenten beschreibt er als außergewöhnlich:
„Man merkt, dass sie brennen für das Thema. Das macht komplexe Zusammenhänge zugänglich.“
Warum er den Bodenpraktiker weiterempfiehlt
„Der Kurs ist wirklich für jeden geeignet – unabhängig von der Betriebsgröße.“
Die Mischung aus Austausch und Praxis findet er besonders wertvoll:
„Alle Teilnehmenden können eine Projektarbeit machen. Ich habe mir Untersaaten vorgenommen und direkt ausprobiert. Das war unheimlich spannend.“
Was sich auf dem Hof verändert hat
„Ich schaue heute ganz anders hin – auf meinen Acker und auch im nachbarschaftlichen Umfeld.“
Wichtiger sei für ihn geworden, den Boden richtig einschätzen zu können:
„Wie beurteile ich seinen Zustand? Welche Chancen hat das Bodenleben? Das möchte ich noch stärker vertiefen.“
„Man lernt im Kurs kein Patentrezept, sondern eine Haltung: den eigenen Boden wirklich wahrzunehmen, den Standort ernst zu nehmen und den Kontext zu verstehen. Jede Fläche, jeder Betrieb, jede Bewirtschaftung ist anders – und genau darin liegt die Herausforderung und die Chance.“